| Unfallanalyse einmal anders |
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Unfallanalyse gehört zu den wichtigsten Aufgaben in jeder Flugsportart. Ein Flugkolleg und Vereinsmitglied hat nun einen Text geschrieben, der uns helfen kann, bei diesem Thema einen Schritt weiterzukommen.
Wie gefährlich ist Gleitschirmfliegen? Wie glaubwürdig ist die DHV-Statistik? Und wie sieht es speziell in unserem Fluggebiet mit Unfällen aus? Das sind Fragen, die nicht einfach zu beantworten sind. Es gibt wenig konkrete Zahlen, Flugunfallmeldungen werden leider immer noch nicht konsequent abgegeben. Die Folge ist, dass hier eine Wissenslücke entstanden ist, die möglicherweise genau das verschlimmert, was man verbessern möchte: die Unfallrate.
In seiner Unfallanalyse führt unser Kollege mit leichter Feder und Humor durch ein sehr schwieriges, aber lebenswichtiges Terrain. Systematisch und konsequent hat er Zahlen gesammelt und verglichen. Entstanden ist ein Sicherheitskonzept, in dem Flugtechnik, Psychologie und Wissen miteinander verbunden werden. Der Autor vertritt auch Standpunkte, über die sich sicher streiten lässt. In jedem Fall jedoch bietet der Text eine Gelegenheit, sich mit dem Thema Sicherheit kritisch auseinanderzusetzen. Nicht-Vereinsmitglieder können das Skript hier herunterladen. Vereinsmitglieder sollten sich erst einloggen. Viel Spaß bei der Lektüre.
Giuseppe
Kommentare (10)
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Mit der Beurteilung der statistischen Daten finde ich aber, dass etwas Schwarzmalerei betrieben wird. Bei jeder Statistik ist es ja entscheidend, was man gegeneinander vergleicht. Ich möchte hier mal meinen Ansatz vorstellen:
Gleitschirmfliegen......................................Autofahrt
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Fahrt zum Treffpunkt...................................-
Fußweg zum Startplatz................................Weg zum Auto
Warten, Gespräche und Flugvorbereitung....-
Start............................................................Anfah ren
Flug.............................................................Fahrt
Landung......................................................Parken
Rückweg zum Treffpunkt..............................-
Gemütlicher Austausch mit Kollegen..............-
Rückfahrt nach Hause...................................Fußweg zum Ziel
Mit dieser Gegenüberstellung möchte ich zum einen ausdrücken, dass Gleitschirmfliegen mehr als der reine Flug ist und dass die sicherheitsrelevanten Schritte sich zur Autofahrt unterscheiden. Ein Vergleich auf Basis Anzahl oder Dauer der Fahrten/Flüge ist problematisch.
Betrachtet man nur die schweren/tödlichen Unfälle (hier halte ich die DHV-Daten für belastbar, und die Dunkelziffer für sehr gering), dann sind beim Gleitschirmfliegen die risikoträchtigsten Flugabschnitte die der Start- und Landephase. Hier gibt es eine klare Korrelation zur Anzahl der Flüge.
Im Autoverkehr finden die schlimmen Unfälle mit Personenschaden sicher nicht in der Tempo30 Zone oder beim Anfahren (hier primär Blechschaden) sondern bei höherer Geschwindigkeit statt. Hier sehe ich die Abhängigkeit von den gefahrenen Kilometern oder – was ähnlich ist – der Zeitdauer.
Wie ist das jetzt miteinander zu vergleichen?
Die Frage, auf die ich für mich eine Antwort suche, ist:
Wenn ich das Risiko vergleiche, das ich eingehe, wenn ich selbst mit dem Auto fahre und nicht die öffentlichen Verkehrsmittel nutze, mit dem Risiko vergleiche, dass ich für die Ausübung meines Hobbys Gleitschirmfliegen eingehe, um wieviel höher liegt da das Gleitschirmfliegen?
Ausgangspunkt ist der Vergleich des Durchschnittspiloten (30 Flüge pro Jahr) mit dem eines Autofahrers mit durchschnittlicher km-Leistung (13.000 km/Jahr).
Bei ca. 120 schweren / tödlichen Unfällen pro Jahr und 30.000 Mitgliedern ergibt das:
4.000 Unfälle pro 1Mio. Mitglieder.
Im Straßenverkehr verunglückten 2008 in Deutschland 2.368 Autofahrer tödlich. Ca. 37.400 Autofahrer wurden schwer verletzt. Bezieht man die Summe auf die zugelassenen Fahrzeuge von 51,3 Mio. so ergibt sich:
775 Unfälle pro 1Mio. Fahrzeuge.
Ein Vergleich dieser Zahlen zeigt, dass die Gefahr, bei der Ausübung des Hobbys Gleitschirmfliegen schwer, bzw. tödlich zu verunglücken, ca. 5x so hoch ist wie beim Autofahren im Straßenverkehr (persönliche Abweichungen von den Durchschnittswerten schlagen sich entsprechend im Faktor nieder).
Eine analoge Abschätzung zum Motorradfahren ergibt, dass das Risiko für Motorradfahrer tödlich zu verunglücken ca. 4x so hoch wie das für Autofahrer ist.
Somit stimme ich persönlich nicht dem ersten Teil der Einschätzung: "Gleitschirmfliegen – zu gefährlich, um es zu betreiben und zu einzigartig, um damit aufzuhören" zu.
ABER – um nicht falsch verstanden zu werden – ich halte es auch nicht für ungefährlich! Nur wenn man sich der Gefahr bewußt ist, trifft man die richtigen Entscheidungen und nur dann liegt – für mich persönlich – das Risiko in einer vertretbaren Höhe. Und gerade deshalb, weil die Gefahr aus den verschiedensten Gründen oft unbewußt verdrängt oder unterschätzt wird, finde ich das Manuskript so hilfreich und möchte mich dafür beim Autor herzlich bedanken!
Werner Kirchner